Flotter Dreier – mein Problem mit dem Triathlon

Schwimmen, Radfahren, Laufen – der Dreiklang der Ausdauersportarten gilt als Königsdisziplin des Sports. Triathleten sind eine Elite. Leider nicht nur in sportlicher Hinsicht.

Wer Triathlet werden will, muss Voraussetzungen mitbringen, die über das sportliche Leistungsvermögen hinausreichen. Es reicht nicht, ein guter Läufer, Schwimmer oder Radfahrer zu sein. Nein, man benötigt etwas, das beim Amateursport eigentlich keine Rolle spielen sollte: Geld.

Schuhe an und los

Ein Grund, warum der Laufsport so beliebt und zur Massenbewegung geworden ist, ist der hürdenlose Einstieg. Jeder, wirklich jeder, kann genau jetzt beschließen, mit der Lauferei anzufangen und sofort loslegen: Schuhe an und los.

Teil 1 beim Triathlon: schwimmen.
Teil 1 beim Triathlon: schwimmen.

Aber kosten Laufschuhe nicht ein Vermögen? Ja und nein.

Ein Paar olle Turnschuhe schlummert vermutlich in jedem Haushalt, und wenn nicht, dann tut es für den Anfang ein Standardmodell für unter 100 Euro aus dem Schlussverkauf.

Wer eine Wiese ohne Hundehäufchen vor der Haustür hat, kann sogar barfuß laufen.

Laufen ist erschwinglich

Die ersten Schritte lassen sich jedenfalls weitgehend kostenneutral bewältigen. Steigt der Ehrgeiz, steigen die Kosten allerdings auch nicht in astronomische Höhen. Für 500 Euro bekommt ein halbwegs ambitionierter Läufer ein Set aus zwei Paar Schuhen und diversen Socken, Hosen und Shirts, mit denen er oder sie locker durchs Jahr kommt. Laufen ist extrem erschwinglich.

Extra-Kosten fallen erst an, wenn Startgebühren für Wettkämpfe bezahlt werden müssen. Aber auch da gibt es preiswerte Volksläufe, die eine tolle Atmosphäre zu geringen Kosten bieten. Es muss ja nicht gleich Berlin mit all den Zusatzkosten für Anreise und Hotel sein.

Halten wir fest: Laufen kostet überspitzt gesagt nichts – außer die Überwindung, es endlich zu tun.

Außerdem ist das Laufen an keine Öffnungszeiten, Orte oder Wettkämpfe gebunden. Draußen ist überall und immer geöffnet. Einen Triathlon hingegen macht man eigentlich nur im Wettkampf. Wer verabschiedet sich schon mit „Schatz, ich mach mal eben Triathlon“ zum Freizeitsport?

Schwimmbäder werden rar

Anders sieht es mit dem Schwimmen aus. Schwimmbäder sind in Zeiten klammer Stadtkassen keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Bäder werden geschlossen oder zu Spaßbädern umfunktioniert. Doch im Solebecken lässt es sich schlecht trainieren. Schwimmen ist ortsgebunden und abhängig von Öffnungsheiten. Die Kosten halten sich jedoch in sehr engen Grenzen. Eine Badehose, eine Schwimmbrille und eine Zehnerkarte fürs Bad bilden eine erschwingliche Kombination.

Stolz im Ziel des Triathlons. Vorne: Ich mit Tri-Hose und normalem Shirt. Hinter mir: Cracks in Stramplern.

Schwimmen ist ähnlich niederschwellig wie das Laufen, aber mit Einschränkungen. Denn während sich bestimmte Aspekte des Lauftrainings (Körperhaltung, Armschwung) sogar autodidaktisch im Wohnzimmer üben lassen, lässt sich der richtige Schwimmstil am besten im Wasser trainieren. Und da hilft am Ende nur ein Trainer, der von außen draufschaut und Tipps gibt.

Klar, man kann auch anhand von Youtube-Videos seinen Schwimmstil verbessern – das habe ich auch so gemacht. Aber bei mir ging es auch nur darum, meinen Bruststil zu verbessern und irgendwie die geforderten 500 Meter zu überstehen, nicht um das Erlernen eines komplett neuen Stils.

Dennoch: Wer schwimmen will, kann das zu vielen Zeiten und zu geringen Kosten.

Radfahren ist eine Materialschlacht

Das, was den Triathlon zur Sportart für Besserverdiener macht, ist das Radfahren. Denn hier wird der Sport zur Materialschlacht. Ein ordentliches Training ist mit dem ollen Hollandrad, das seit Jahren sein trauriges Dasein im Keller fristet, nicht möglich. Da muss schon ein ordentliches Touren- oder Trekkingrad her – Kosten: mindestens 500 Euro und kein Limit nach oben.

Und das ist nur der Einstieg! Denn mit einem Trekkingrad ist man ein Exot, der vielleicht noch beim Volks-Triathlon akzeptiert wird. Wer allerdings mit den großen Jungs und Mädels sporteln will, benötigt ein Renn- oder gar ein Triathlonrad, das zu nichts anderem geeignet ist als zum Triathlon. Mit einem Rennrad kann man ja zur Not noch zum Brötchenholen fahren. Mit einer hochgezüchteten Triathlonmaschine eher nicht.

Wo ist der Sportsgeist, wenn nicht allein Talent und Training für die Leistung ausschlaggebend sind, sondern das Geld, das man ins Material steckt?

Mit dem Trekkingrad Rennräder überholt

Klar, der Trainingszustand ist natürlich wichtig. Ein teures Rad macht schlechte Beine nicht besser. Bei meinem Triathlon-Debüt habe ich mit meinem Trekkingrad einige Rennradfahrer kassiert und einen 30er Schnitt geschafft. Aber wie schnell wäre ich dann erst mit einem Rennrad gewesen? Und wieviel leichter wäre mir der anschließende Lauf gefallen?

Von den exorbitanten Anmeldegebühren, die große Triathlonveranstaltungen aufrufen, sei hier noch gar nicht geschrieben. Niclas Bock hat auf seinem Blog nachgerechnet und ist auf Kosten in Höhe von 15.000 Euro gekommen, die er über eine Saison aufbringen muss, um am Iron Man auf Hawaii teilzunehmen. Zum Vergleich: Ein Startplatz beim Paris-Marathon kostet mich mit Schuhen, Shirt, Startgebühr, Thalys-Fahrt, und Unterkunft ca. 600 Euro, wenn ich den Trip alleine mache – und das ist schon teuer.

Zeit ist kostbar wie Geld

Doch es sind nicht nur das Material und die sonstigen Kosten, die den Triathlon zur elitären Sportart machen. Wer ernsthaft an Wettkämpfen teilnehmen will, braucht Zeit zum Trainieren. Wen wundert es da, dass es zu einem großen Teil Besserverdiener in den Triathlon zieht, die nicht an feste Arbeitszeiten gebunden und von Dauerärger mit dem Chef bedroht sind? Zeit ist nun mal Geld.

So schnulzig das jetzt klingen mag, aber dem Triathlon wohnt kein romantischer Zauber inne. Der Triathlon schreibt zwar tolle Geschichten von großem Sport auf höchstem Niveau. Aber es fehlen die Geschichten vom kleinen Sportler, der sich aus ärmlichen Verhältnissen nur mit Talent und Training nach oben gearbeitet hat. Denn spätestens an der Anschaffung eines Fahrrads wäre er gescheitert. Das macht Triathlon zum Golf für Ausdauersportler. Schade.

Kurz gesagt: Laufen versus Triathlon, das ist der Unterschied zwischen „etwas leisten können“ und „sich etwas leisten können“.

6 Antworten auf „Flotter Dreier – mein Problem mit dem Triathlon“

  1. Stefan, du bringst es auf den Punkt:

    Laufen versus Triathlon, das ist der Unterschied zwischen „etwas leisten können“ und „sich etwas leisten können“.

    Auch wenn ich das Monetäre für mich nicht als die höchste Hürde ansehen, so gehen mir Lauf-Kumpels auf den Geist, die mich nicht erst seit heute vom Triathlon überzeugen wollen. Nein, das ist nix für mich. Ich laufe gern und kann das im Rahmen meiner Möglichkeiten auch ganz gut.

    Aber Schwimmen und Radfahren on top? Nicht mit mir, das Laufen reicht mir dicke aus.

    1. Ich hab ja schon einen geschafft und werde da in diesem Jahr wohl wieder an den Start gehen. Aber relativ unambitioniert. Schwimmen überleben, auf dem Rad ordentlich treten und dann noch 5 km auslaufen.
      Das ist aber auch nur die Breitensportdistanz. Ich schätze, ich könnte auf olympisch wechseln, wenn ich Kraul lernen und ein Rennrad kaufen würde. Aber mir ist das alles zu viel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.