Auf Bikini-Jagd beim Triathlon in Kamen

Es war mal wieder Triathlon-Zeit. Wie beim ersten Mal wäre ich gerne vorzeitig aus dem Becken gestiegen. Ebenfalls wie beim ersten Mal habe ich mich trotzdem durchgebissen. Das verdanke ich unter anderem einer Bikini-Trägerin. Endlich weiß ich, warum ich mir diese Quälerei antue.

Ach, der Triathlon und ich. Das ist ja so eine Hass-Liebe. Jenseits meiner grundsätzlichen Skepsis dem sportlichen Dreiklang gegenüber mag ich ja ohnehin nur zwei der drei Disziplinen, wobei mir zum richtigen Radfahren auch noch das nötige Material fehlt. Und trotzdem: Einmal im Jahr kann man ja eine Ausnahme machen. Oder vielleicht doch öfter?

Meine Ausnahme heißt wie im vorigen Jahr Kamen. Das Schwimmen findet im Schwimmbad statt, die Radstrecke ist flach und idiotensicher – beste Voraussetzungen für mich.

Ein Triathlon nur eine Woche vor dem Berg-Marathon

Trotzdem habe ich bis kurz vor dem Start gezögert. Eine Woche vor dem Stilfser Joch müsste ich mich doch eigentlich schonen. Aber ist so ein Triathlon, bestehend aus ein paar Bahnen schwimmen, einer kleinen Radtour und schnuckeligen fünf Laufkilometern nicht sowas wie Schonung? Doch, doch.

Kind 2 beim Schwimmen.
Kind 2 beim Schwimmen.

Außerdem musste ich ja eh an die Strecke, um Kind 2 bei ihrem Debüt zu unterstützen. Mit der sagenhaften Startnummer 001 ging der Nachwuchs ins Rennen und zeigte, dass der familiäre Apfel nicht weit vom Stamm fällt: beim Schwimmen überlebt (aber die Bahn immerhin als Drittletzte verlassen, also besser als ich je sein werde), auf dem Rad eine sportliche Figur gemacht und beim Rennen ordentlich zugeschlagen.

So schaffte Kind 2 eine Platzierung im Mittelfeld und ist verdientermaßen mächtig stolz.

Mit Freunden vor dem Start die Angst wegblödeln

Dann musste ich ran.

Wie im letzten Jahr, hoffte ich, dass ich wieder Daniel und Eike möglichst früh treffen würde, um beim gemeinsamen Herumalbern meine Nervosität abbauen zu können. Es klappte. Wir witzelten uns Richtung Schwimmbecken. Eike, der Torpedo, hatte Bahn 7 zugelost bekommen, ich, das Senkblei, hatte Bahn 8. Wir wünschten uns viel Erfolg. Erst auf der Radstrecke würden wir uns wiedersehen.

Daniel hingegen, da war ich mir sicher, würde ich noch kurz beim Wechsel aufs Fahrrad sehen. Denn auch er hat schwimmerische Defizite. Sehr sympathisch.

Ein Bikini? Dranbleiben!

Sympathisch war mir auch die Mitschwimmerin im Bikini auf meiner Bahn. Zwar viel zu jung für mich alten Mann, aber hübsch und motivierend, weil sie ebenfalls im Bruststil das Rennen anging. „Dranbleiben!“, gab ich mir als Befehl mit auf den Weg, als der Startschuss ertönte.

Bammel vor dem Schwimmen.
Bammel vor dem Schwimmen.

Denkste! Schnell war klar, dass die von mir gekürte „Miss Bahn 8“ zwar ebenfalls Brust, aber deutlich schneller schwomm. Und das, obwohl ich – für meine Verhältnisse – loslegte wie die Feuerwehr. Vor der ersten Wende hatte sie eine Viertelbahn Vorsprung, ich hatte brennende Arme.

Schon bei der zweiten Wende wollte ich aus dem Becken klettern. Ich nahm diese Option mit auf Bahn Nummer Drei. Der Bikini war enteilt, etwa eine halbe Bahnlänge vor mir. Ich begann, mir die Strecke klein zu rechnen. Ich drosselte das Tempo, um meine Arme zu schonen. Hauptsache, ankommen.

Bahn um Bahn durchs Becken kämpfen

„Kämpfen!“, lautete der neue Befehl. Also kämpfte ich Bahn um Bahn und sah irgendwann, dass Frau Bikini jetzt ziemlich genau eine Bahn Vorsprung hatte. Das war okay für mich. Längst hatte ich eingesehen, dass ich beim Schwimmen nur einen einzigen Gegner habe: das Wasser.

Völlig aus der Puste wuchtete ich mich aus dem Wasser, warf die Badekappe weg, schaute auf die Uhr. Stand da eine 13? Bestzeit? „Kein Wunder, dass ich so kaputt bin“, dachte ich und lief zu meinem Fahrrad.

Nach dem Schwimmen ist Triathlon toll

Schon verrückt: Sobald ich aus dem Wasser bin, ist Triathlon der geilste Sport der Welt. Umziehen, Helm zu, Rad aus dem Ständer und im Laufschritt durch die Wechselzone. Dann endlich aufsitzen und los.

Gegner einsammeln macht Spaß

Fahrradfahren kann ich ja. Auch wenn mir klar war, dass ich den erhofften 30er Schnitt wohl verfehlen würde (am Ende waren es über 29,1 km/h), knüppelte ich sofort los. Sobald der erste leichte Anstieg hinter mir lag, gab es vorne nur noch das große Blatt. Ich begann, Gegner einzusammeln, allerdings nicht so viele wie im vorigen Jahr.

Nach einer Weile setzte ich zum Überholen zweier Frauen an und erkannte: Miss Bahn 8! Die Mission hatte ich also erfüllt.

Ich trat weiter den großen Gang und nuckelte ab und zu an meinem Kohlenhydrat-Getränk, um noch Körner fürs Laufen zu haben. Unterwegs war noch genug Zeit, um Eike und Daniel auf der Radstrecke zu grüßen. Leider hatte Daniel diesmal gute Beine und ich konnte ihn nicht überholen.

Hitze kocht Hirn

Vor lauter Konzentration aufs Radfahren bemerkte ich nicht, wie die Hitze mein Hirn allmählich weichkochte. Erst als mir freundliche, helfende Hände das Rad abgenommen und ich meinen Helm an meinen Platz in der Wechselzone gelegt hatte, brach sich Verwirrung Bahn. „Wo ist denn die Laufstrecke?“, fluchte ich vor mich hin. „Geradeaus“, kam von irgendwo. Also lief ich los und fing mich allmählich wieder.

Drei Männer im Ziel, aber nicht am Ende.
Drei Männer im Ziel, aber nicht am Ende.

Das mit dem Laufen ist nach dem Radfahren ja so eine Sache. Viel zu schnell, viel zu eierig. Ich lief also betont locker und entspannt. Dachte ich. Tatsächlich war ich mit einer 5er Pace unterwegs, was mich dazu verleitete, von nun an ausschließlich darauf zu achten, nicht zu schnell zu laufen.

An der Wasserstation übergoss ich mich einmal komplett mit Wasser, um einen klaren Kopf zu bekommen. Sehr kontrolliert und locker lief ich weiter, die Pace voll im Griff.

Weniger denken, schneller laufen

Ich Depp! Hätte ich weniger nachgedacht, wäre ich vielleicht auf den Trichter gekommen, dass ich auf läppischen fünf Kilometern nicht so viel falsch machen kann! Stattdessen achtete ich peinlichst darauf, nicht zu überpacen. Dabei fühlten sich meine Beine so gut an.

„Hey, Stefan!“, rief plötzlich eine Frau am Streckenrand. „Hey, danke. Wer bist du?“, fragte ich – weiche Birne und so. „Anne!“, rief sie, und mir dämmerte es. Meine Spontan-Bekanntschaft vom Marathon am Baldeneysee!

Ich lief die letzte Runde zuende, legte immer noch kein Tempo zu. Erst auf den letzten Metern setzte ich zum Schlussspurt an und erreichte das Ziel nach etwas mehr als 25 Minuten. Da wäre mehr bzw. weniger möglich gewesen. Naja, wieder etwas gelernt.

Der Bikini und meine Motivation

Eike, Daniel und ich feierten uns selbst und die Tatsache, wieder einen Triathlon überstanden zu haben. Anschließend feierten wir noch meine Lieblings-Trainingspartnerin Kathy für ihren zweiten Platz beim Debüt über die olympische Distanz. Alle Achtung!

Lange, laaaange Zeit später, gefühlt mindestens zehn Minuten, lief dann auch Miss Bahn 8 ins Ziel. Doch da war sie mir längst egal.

Und doch nicht. Denn die schöne Unbekannte stand und steht sinnbildlich für das, was den Triathlon am Ende so reizvoll macht. Nein, nicht schöne Frauen. Ich meine die Überwindung, sich über diese verhasste Schwimmstrecke zu quälen. Eine Sportart zu trainieren, die ich wirklich ganz furchtbar finde.

Und dann im Wettkampf die Herausforderung anzunehmen, ins Wasser zu gehen mit dem festen Wissen, es als Letzter wieder zu verlassen (ein paar Leute waren noch einen Tick langsamer als ich). Das Mädel da – die mag schneller schwimmen als ich, aber ich fahre schneller Rad und ich laufe schneller. Also, Baby: Du bist heute mein Opfer! Mein erster Fixpunkt, der mir hilft, ins Rennen zu finden, an dem ich mich orientieren kann.

Wut in Energie umwandeln

Es geht darum, zu kämpfen. Selbst auf der Sprint-Distanz lauern auf einen Feierabend-Sportler im fortgeschrittenen Alter echte Herausforderungen. Der Gedanke, aus dem Becken zu klettern und den Mist einfach sein zu lassen, mag durchaus ernsthaft gewesen sein.

Dann aber gilt es, diese Wut in Energie umzuwandeln. Allen Mut zusammenraufen und nach vorne schauen. Denn nach dem Schwimmen kommen zwei Disziplinen, die ich kann.

Rennrad kaufen, schwimmen lernen

Joa, und nu? Ich habe mich auf Facebook zu einem „See you next year“ hinreißen lassen. Dann aber mit Rennrad. Und über die olympische Distanz. Dafür werde ich ab Herbst auch schwimmen lernen. Kraul. Ganz bestimmt. 😉

 

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