#RRMHomeRun – ein Wettkampf ohne Konkurrenten

Die Liste der wegen Corona abgesagten Läufe ist lang, und natürlich gehört auch der Rhein-Ruhr-Marathon dazu. Der fand als #rrmhomerun quasi virtuell statt. Wie ich gegen mich selbst antrat und verlor, lest ihr hier.

Der Halbmarathon in Duisburg ist ein toller Lauf. Noch toller ist er, wenn man ihn in Dortmund läuft. Wegen des doofen Coronavirus‘ riefen die Organisatoren dazu auf, virtuell an die Startlinie zu gehen. Das konnte ich mir nicht nehmen lassen, denn wer nur gegen sich selbst läuft, kann ja eigentlich nur gewinnen.

Ziel: Halbmarathon-Bestzeit

Ich war ja auch mega fit. Der #rrmhomerun sollte mit einer neuen Halbmarathon-Bestzeit für mich enden. Handgestoppt und GPS-gemessen zwar, aber egal. Fühlt sich bestimmt super an, jubelnd über eine gedachte Ziellinie im Rombergpark oder am Phoenixsee zu laufen.

Am Renntag verspreche ich mir Unterstützung von Frau und Kind 2. Beide wollen mich mit ihren Fahrrädern begleiten und als mobile Verpflegungsstation und Kipchoge-mäßige Windschatten-Spender fungieren. An den Füßen sollen die Asics Novablast für Tempo sorgen. Den Start lege ich so, dass ich ampellos laufen kann.

Mal wieder zu schnell am Start

Guter Plan, der schon am Start etwas fehl schlägt. Denn natürlich laufe ich zu schnell los. Ich will 1:45:xx Stunden laufen, was einer Pace von exakt 5 min/km entspricht. Das wäre eine angemessene Verbesserung der 1:47:36 vom Phoenixsee 2019 und erst das zweite Mal, dass ich unter der vermaledeiten 1:50 bleiben würde.

Ich bin mit 4:45 unterwegs und finde die Bremse nur schwer. Auf dem Weg zum Rombergpark laufe ich vor meiner Fahrrad-Begleitung. Im Park sind Fahrräder verboten. Der Weg ist voller Spaziergänger, ich wusele da so durch. Die Verpflegungsstation wartet am Ein-/Ausgang auf mich. Ich bekomme meine Wasserflasche gereicht, nuckele kurz und laufe weiter. Der Plan: Die Crew holt mich auf dem Phoenix-West-Gelände ein und dann geht’s gemeinsam um den Phoenixsee und zurück.

Meine Fahrrad-Crew verfährt sich

Ich laufe also weiter. Und laufe. Und laufe. Phoenix-West, ich laufe und drehe mich um. Fahrräder — ja. MEINE Fahrräder — nö. Im harten Kreuzverhör nach dem Lauf erfahre ich, dass sich meine Crew auf Phoenix-West verirrt hat. Wie genau das geht, wenn man eigentlich nur auf einer Straße geradeaus fahren muss, habe ich noch nicht verstanden… 😡

„Die kommen schon noch“, denke und hoffe ich, denn allmählich wird es Zeit für ein Gel. Spätestens am Phoenixsee werden sie mich haben. Ach, jeden Moment müssen sie mich einholen! Bestimmt!

Ich umrunde den Phoenixsee, falsche Fahrräder überholen mich. Meine Pace liegt mal knapp unter 5 min/km, mal gut darüber. „Wasser und Gel, bitte“, flehe ich, doch niemand erhört mich. Als ich die Ostspitze des Sees umkurve, bläst mir der für den Phoenixsee typische Gegenwind ins Gesicht. „Wasser, Gel, Windschatten“, denke ich, aber niemand liest meine Gedanken.

Am Südufer laufend lasse ich den Blick über den See schweifen und erspähe am anderen Ufer zwei radfahrende Gestalten, die mir bekannt vorkommen. Ich winke, eine Gestalt winkt zurück. Aha! In fünf bis sieben Minuten müssten sie mich ENDLICH haben.

Meine Fahrrad-Crew verpflegt — sich selbst

Eine falsche Endscheidung bricht mir dann das läuferische Genick. Am Westende des Sees entscheide ich mich gegen die nach oben führende Rampe zur Straße und laufe lieber flach durch den Fußgängerbereich. Dort ist es so voll, dass meine Fahrrad-Mädels, die laut einer SMS, die ich etwas später bekomme, nur fünf Meter hinter mir sind, absteigen müssen.

Ich bekomme das nicht mit. Ich bekomme auch nicht mit, dass mein Unterstützungsteam die Gelegenheit nutzt und Eis holt, statt die Lücke zu mir zu schließen. Ich laufe und habe immer noch eine Zeit unter 1:50 im Blick. Das Gel MUSS ja gleich kommen.

Es kommt nicht. Ich werde etwas sauer, wie meine Muskeln. Meine Füße erledigen ihren Job. Über Phoenix-West zum Rombergpark. Mein Brieftauben-Sinn sagt mir, dass ich eine Runde durch den Park laufen und dann Richtung zu Hause laufen muss, um ziemlich genau dort die 21,1 km zu beenden, wo ich gestartet bin.

Die Oberschenkel werden schwer

Allmählich wird es hart. Die Oberschenkel werden schwer. Mein Rad-Team findet mich nicht, weil die GPS-Ortung springt. Im Rombergpark verabschiede ich mich von der sub 1:50 und mache eine Trinkpause im Klohaus, bevor ich weiter Richtung Start/Ziel laufe. Ich SMSe, was ich vorhabe, auch wenn ich für die letzten vier Kilometer auch kein Gel mehr brauche.

Die Pace bricht ein, ich schleppe mich zum Ausgangspunkt. Nach exakt 21,1 Kilometern komme ich dort an, wo ich 1:53:04 Stunden zuvor losgelaufen bin.

Bock auf neue Bestzeiten

Was soll’s! Es tat gut, mal wieder im Wettkampftempo zu laufen und nur auf die Uhr zu achten. Dass ich unter echten Wettkampfbedingungen und/oder mit funktionierender Verpflegung satte acht Minuten schneller gewesen wäre, bezweifele ich. Auf jeden Fall habe ich aber Bock, noch mal meine Bestzeiten im Marathon und Halbmarathon anzugreifen, bevor ich dann irgendwann doch vielleicht zu alt dafür bin.

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