Ich habe eine Frau geschlagen — und dann auch noch die beste

Es war immer schon mein Traum, ein Rennen zu gewinnen. Beim Baltrum-Lauf ist es mir in diesem Jahr gleich zweimal gelungen, sogar mit Bestzeit. Blöd nur, dass es das falsche Rennen war.

Ich finde ja ohnehin schon, dass die Insel Baltrum ein Paradies für Läufer ist. Knochenharter Sand folgt auf knöcheltiefen, es gibt schöne Trails und befestigte Wege — alles, was das Läuferherz begehrt.

Und dann gibt es jeden Dienstag noch den Baltrum-Lauf. 5,3 Kilometer führt er über die Insel. Das Terrain ist abwechslungsreich und macht Bock. Da ich ja ganz gut in Form bin und beim Solo Run schon sehr vorzeigbare zehn Kilometer gelaufen war, wollte ich es auf Baltrum krachen lassen.

Streckenbesichtigung als Vorbereitung

Akribisch wie nie hatte ich mich vorbereitet. Einen mittellangen Lauf nutzte ich sogar zu einer kleinen Streckenbesichtigung, um den Zustand des Geläufs zu erkunden.

Mit Schlacht- und Streckenplan im Kopf ging es bei beiden während meines 14-tägigen Aufenthalts stattfindenden Läufen an den Start. Das Ziel: Bestzeit — hurraaaaa!!!

Baltrum-Lauf 1 — die Dramaturgie

Ein überraschend großes Läuferfeld hatte sich am Rathaus eingefunden. Da war es nicht so leicht, Corona-Abstände einzuhalten, aber es ging. Der Start wurde dennoch verlegt, um etwas mehr Raum zu haben.

Mein Schlachtplan war simpel: ballern. Also ballerte ich so vor mich hin, vor mir kein Überholopfer. Aber von hinten, da kam etwas und hechelte recht bald immer in Hörweite, also nur zwei, drei Schritte entfernt. Ich hatte eine Ahnung, wer das sein könnte, wollte mir aber auch nicht die Blöße geben, mich umzudrehen. Ich beschloss jedenfalls, dass da hinter mir eine ziemlich sportlich aussehende Läuferin sein musste, die ich zu meiner Überraschung am Start überholt und danach nicht mehr gesehen hatte. Stella aus Cuxhaven, erfuhr ich später.

Tapptapptapp… und hechelhechelhechel, machte es hinter mir. Also weiterballern, nicht überholen lassen. Und wenn, dann dort, wo leichter Gegenwind herrscht.

Nach drei Kilometern oder so überholte sie mich dann doch. Ich war sauer, dankte aber innerlich für den Windschatten. Doch so ein zierliches Persönchen bietet leider keinen. Ein paar Hundert Meter weiter flutschte ich wieder an ihr vorbei, lief mein Ding und kam zehn Sekunden vor ihr und mit neuer Baltrum-PB ins Ziel.

Die schnellste Frau bin ich!

Wir bedankten uns gegenseitig für die Hilfe. Ich glaube, wenn wir uns nicht gehabt hätten, wären wir beide langsamer gewesen.

Bei der Siegerehrung stellte sich dann auch noch heraus, dass Stella aus Cuxhaven die schnellste Frau war. Ich habe eine Frau, ich habe DIE BESTE Frau geschlagen! Das gab’s noch nie.

Baltrum-Lauf 2 — Wiederholungen gefallen doch

Baltrum-Lauf Nummer 2 wollten wir ähnlich angehen. Stella freute sich darauf, in meinem Windschatten zu lutschen, ich war froh, einen Gegner von genau meiner Kragenweite zu haben.

Doch dieses Mal lief sie voraus, und zwar viel zu weit, stellenweise bestimmt zehn Meter. Na, das war ne Herausforderung. Wenigstens hatte ich Stella als Ziel ständig vor Augen. Sie galt es zu schlagen.

Und tatsächlich schaffte ich es ungefähr bei der Hälfte. Ich überholte und rannte zum Ziel — wieder mit persönlicher Baltrum-Bestzeit.

Wie kriege ich Stella nach Dortmund?

Stella war also so etwas wie mein Hase, wie man Tempomacher nennt. Fragt sich bloß, wo ich so einen Hasen für den „DO it fast“-Run am 16. August finde? Es war richtig genial, endlich mal jemanden zu haben, mit dem ich mich auf der Strecke duellieren konnte. Das spornt an und kitzelt Reserven aus den Beinen.

Bei „DO it fast“ darf ja meine 10-km-PB gerne endlich purzeln, nachdem meine Zeit vom Solo Run an gleicher Stelle ja nicht zählt.

Irgendwie miss es gehen — zur Not ohne Hasen.

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