DNF beim Neheimer Citylauf: Kopf weich, Beine hart

Der Neheimer Citylauf hat eigentlich alles, was einen Lauf sympathisch macht: ein übersichtliches Starterfeld, ein übersichtliches Städtchen und eine übersichtliche Startgebühr. Perfekt, um einen Angriff auf meine 10-km-Bestzeit zu starten, dachte ich.

Denkste!

Mein Freund Sascha hatte vor zwei Wochen vorgelegt. Mit 48:06 war er am Kemnader See eine neue PB gelaufen und hatte einen Stachel in mein Läuferherz gesetzt. 48:05 müsste ich doch laufen können! Schließlich hatte ich mit Paris und einigen langen Läufen danach genug Kondition. Und die letzten Intervalle waren auch gar nicht schlecht.

Doch, waren sie. Sie waren nämlich zu langsam. Mir schwante ja schon sowas. Wenn man nach 5×2000 Metern beim Auslaufen merkt, dass man noch einen Intervall laufen könnte, waren die vorherigen fünf wohl zu langsam. Gut gerüstet für einen spontanen Zehner fühlte ich mich dennoch.

Die Form fehlte

Doch dann passte irgendwie gar nichts. Wäre ich in Form gewesen, wäre mir die späte Startzeit (16 Uhr) egal gewesen. Ebenso die Topografie des Kurses, der quasi auf einer sehr schiefen Ebene um den Neheimer Dom herum führt. Auch dass ich Strecken nicht mag, die zig Mal im Kreis führen, so dass man jederzeit aufhören könnte, ohne einen langen Rückweg in Kauf zu nehmen, hätte mich nicht interessiert.

Mentale Stärke beim Laufen from Dr. Michele Ufer on Vimeo.

Aber in meiner mentalen und körperlichen Verfassung waren das alles willkommene Anlässe, um nach fünf Kilometern die Brocken hinzuwerfen und einfach aufzuhören.

Beine, Kopf, Lunge: Alles Mist

So ist das halt: Wird der Kopf weich, werden die Beine hart. Hatte in Paris das Zusammenspiel zwischen Kopf und Körper noch so wunderbar funktioniert, war jetzt genau das Gegenteil der Fall.

Auf der vierten von neun Runden spürte ich, wie meine Beine immer härter wurden. Knubbel in den Waden drückten unangenehm aufs Gemüt – und umgekehrt. Das Atmen fühlte sich bergauf an wie Asthma. Bergab fand ich kaum Erholung. Die Beine, der Kopf, die Lunge – alles Mist.

Sichtbar kurz vor dem Ende.

Und dann der Moment, der alles zunichte machte: Ich schaute auf die Uhr. 24:xx stand da zur Halbzeit. Ich würde also noch einmal fünf Kilometer genauso schnell laufen müssen.

No way! Das war mir schlagartig klar. Ich würde noch fünf Mal bergauf rennen und fünf Mal versuchen müssen, die bergauf etwas langsamere Pace bergab zu kompensieren. No fucking way!

Bestzeit oder nix – also nix

Als mir das klar wurde, polterte es schlagartig noch mehr in den Waden. Und der Kopf rebellierte. Warum sollte ich mich jetzt noch quälen? Für eine weitere 50er-Zeit über diese verhassten zehn Kilometer? „PB oder nix“, dachte ich. Also lief ich noch einmal über die Start-/Ziellinie und verließ die Strecke.

Jetzt, einige Stunden später, bin ich natürlich deprimiert und stinkesauer. Aber meine Waden sind erschreckend berührungsempfindlich und knubbelig. Vermutlich war es goldrichtig, aufzuhören. In nicht ganz einem Monat steht der Halbmarathon am Langkofel an. Es wäre komplett benagelt, mir davor noch einen Faserriss einzuhandeln.

Besser und intelligenter trainieren!

Was bleibt, ist mein Hass auf Zehner. 48:28 Minuten stehen da in meiner Liste. Am liebsten würde ich die Distanz komplett streichen. Aber nein! Ich werde kämpfen. Und abnehmen. Und klüger trainieren. Und Mentaltraining machen. Ich weiß, dass ich beißen kann und dass ich mich am eigenen Schopf aus verfahrenen Situationen ziehen kann. Also los!

Ich habe noch drei Zeitziele: Zehner sub 48, Halbmarathon sub 1:50, Marathon in 3:45. Im April ist ja wieder Paris. Bis dahin sollte das doch klappen!

6 Antworten auf „DNF beim Neheimer Citylauf: Kopf weich, Beine hart“

    1. Danke. 🙂 Das mit den 48:28 sollte nicht arrogant klingen oder so. Ich staune ja selbst immer, dass ich diese Zeit wirklich mal gelaufen bin.

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