Der Berg ruft – Angriff auf den Marathon am Stilfser Joch

Ach, die Alpen! Ich liebe ja die Berge. Egal, ob im Allgäu, in Österreich oder Südtirol – die Alpen sind einfach wunderschön. Und wie ließen sich die Leidenschaften für hohe Berge und lange Läufe besser verbinden als mit einem Bergmarathon? Also: Auf zum Stilfser Joch! Und dann war da noch eine Leidenschaft…

Eigentlich ist das Gulasch schuld. Südtriroler Gulasch. Mit Speckknödeln. Ein Traum! Es gibt ja diese Erlebnisse, die man auf ewig mit einem bestimmten Geruch oder Geschmack verbindet. Die südtiroler Berge sind für mich untrennbar mit herzhaftem Gulasch und Speckknödeln verknüpft. So nörgele ich schon seit langem, dass ich mal wieder in die schönen Dolomiten möchte, nicht nur, aber auch aus kulinarischem Interesse. Denn verknüpft Südtirol nicht wunderbare Landschaft mit den Vorteilen der deutschen und der italienischen Küche? Doch, tut es.

Erstauflage an meinem Geburtstag

Es muss ein Omen sein, dass die Erstauflage des Marathons am Stilfser Joch ausgerechnet an einem 17. Juni stattfand. An meinem Geburtstag also. 2017 lud die Königin der Alpenpässe erstmals zum Gipfelsturm. Im Herbst erfuhr ich von dem Lauf, fortan war ich gepackt von der Idee, an diesem Lauf teilzunehmen. Die zweite Auflage steigt nun einen Tag vor meinem Geburtstag. Auch recht. Und dass der Ortler nicht in den Dolomiten liegt – auch geschenkt. Ich kenne die steinerne Wüste dort oben, auch die ist beeindruckend.

Natürlich schrecken die Daten erst einmal ab, wenn man als Flachlandtiroler lieber Ebenen zum Laufen aufsucht. Aber ich sage ja auch nicht ohne Grund, dass der Dortmunder Süden gerne auch als die Alpen des Ruhrgebiets bezeichnet werden darf, denn auch hier geht es ordentlich rauf und runter.

Kaum lange Anstiege

Natürlich nicht im Ansatz so wie in den Alpen, aber auch meine Oberschenkel und Waden kennen Anstiege. Nur sind die immer so kurz. Ich glaube, die längste Strecke in Dortmund, auf der man es mit einem stetigen Anstieg zu tun hat, ist der Weg von der Kuhle der Ardeystraße (wo die Emscher unter der Straße durch fließt) über die Hagener Straße nach Schanze bzw. als Variante nach Schnee. Das sind – keine Ahnung – vielleicht vier Kilometer. Und auch hier gibt es die eine oder andere Senke, durch die die Strecke führt.

Ruhrseitig gibt es die Syburger Serpentinen und den bergbauhistorischen Wanderweg. Beide haben es wirklich in sich, sind aber relativ kurz.

Rauf, runter. Rauf, runter. Rauf, runter.

Für das Training bedeutet das, dass ich in den kommenden 60 Tagen die eine oder andere Gelegenheit dazu nutzen werde, diese langen Anstiege mit z.B. den Serpentinen zu kombinieren. Rauf, runter, rauf, runter, rauf, runter… Auch der Hügel am Phoenixsee wird mein Ziel sein, bietet er doch zahlreiche Varianten des Bergtrainings.

An Bergen mangelt es wahrlich nicht. Sei es der fiese, lange Hülsenberg oder der kurze, knackige, sausteile Kirchhörder Berg. Vermutlich sind die steilsten Dortmunder Straßen sogar steiler als das, was mich am Stilfser Joch erwartet. Dafür ist es dort aber länger, viel länger.

Zahlen jenseits der Vorstellungskraft

Von 915 Metern schraubt sich die Strecke bis auf 2757 Meter. Und als ob das nicht reichen würde, geht es zwischendurch auch noch mal 300 Meter bergab. Insgesamt sind so 2350 Höhenmeter zu bewältigen. Das sind Zahlen fern meiner Vorstellungskraft.

Zur Höhendifferenz gesellt sich auch noch die tatsächliche Höhe. Ab 2000 Meter dürfte die Luft arg dünn werden – und dann sind es noch mehr als 700 Höhenmeter! Ich rechne mit allem.

Respekt, aber Höhe hat mir bislang nie Probleme bereitet

Und doch bin ich guter Dinge, dass ich es schaffe, auch wenn ich megaviel Respekt vor der Herausforderung habe. Höhe hat mir bislang noch nie etwas ausgemacht. Mit dünner Luft bin ich bei meinen bisherigen Hochgebirgsurlauben immer gut zurecht gekommen. Allerdings liegen die mehr als 30 Jahre zurück. Damals war ich zwar jünger, dafür aber auch untrainierter, weil ich noch kein Läufer war.

Mein größter Trumpf ist, dass ich nichts zu verlieren habe. Ich will einfach nur ankommen. Das Zeitlimit beträgt satte 8,5 Stunden. Das sollte auch mit längeren Wander-Passagen zu schaffen sein. Mein Rucksack wird zudem voller Verpflegung sein, damit ich am Berg immer ordentlich nachtanken kann. Andererseits ist jeder Liter Wasser natürlich auch Ballast. Ich muss einfach im Training ausprobieren, was Sinn macht.

Den Lauf genießen

Den Lauf will ich soweit wie möglich genießen. So etwas Beklopptes werde ich vermutlich nie wieder machen. Das Bergpanorama hat mehr als einen flüchtigen Blick verdient.

Und wenn ich es dann geschafft und auf der Passhöhe das Ziel erreicht habe, habe ich es mir verdient: das Gulasch.

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