Rauf, runter – Vorbereitung auf den Marathon am Stilfser Joch

Was habe ich mir da bloß ans Bein gebunden? Der Marathon am Stilfser Joch bestimmt meinen Trainingsplan von vorne bis hinten – oder besser von unten nach oben. Ich habe Respekt, da helfen auch die Tipps von prominenter Stelle nichts.

„Die Steigung“, lautet die knappe und deutliche Antwort auf meine Frage, was  beim Marathon am Stilfser Joch meine größte Herausforderung sein wird. Der Antwortgeber ist jemand, der es wissen muss, nämlich kein Geringerer als Hermann Achmüller.

Tipps von Weltklasse-Läufer Hermann Achmüller

Der Mann ist ein Phänomen: Weltklasse über 100 Kilometer und die klassische Marathon-Distanz, Bezwinger aller sechs Marathon-Majors binnen eines Jahres und nebenbei noch gut platzierter Finisher bei drei harten Bergmarathons.

Im vorigen Jahr ist Hermann bei der Erstauflage am Stilfser Joch dabei gewesen, als „Genussläufer“, wie er sagt, wobei erwähnt sei, dass dieser Genuss nur 4:06 Stunden dauerte. Ich schätze, ich werde ein bisschen mehr Zeit zum, äh, „Genießen“ haben. Und der Mann startet in meiner Altersklasse!

Hügelige Strecken zum Trainieren suchen

Für meine Vorbereitung bestätigt Hermann im Prinzip meine Vorgehensweise: „Ich würde mir möglichst hüglige Strecken suchen, um meine Muskulatur daran zu gewöhnen“, rät er. Hügelige Strecken hat Dortmund ja wirklich genug.

Relive ‚Berge, Berge, Berge – fürs Stilfser Joch‘

Also habe ich es jetzt krachen lassen und bin am Samstag die Ruhrklippe und Mittwoch eine noch bergigere Strecke gelaufen, sodass in meinen Oberschenkeln wirklich überhaupt kein einziges Körnchen mehr zu finden war.

Gerade dieser Trainingslauf hat meinen Respekt vor dem Stilfser Joch noch einmal wachsen lassen. Das war nur Dortmund – der Marathon ist in den Alpen. Dortmunds Straßen mögen steiler sein, das Stilfser Joch ist aber länger.

Rote Bete Saft wird nicht reichen

Und höher. Die dünne Luft in über 2000 Metern flößt mir ebenso viel Respekt ein, wie die konstante Steigung. Leider hat auch Hermann keinen Universal-Tipp. Ich werde den Kühlschrank also wieder mit Rote-Bete-Saft auffüllen, um die Produktion roter Blutkörperchen anzukurbeln. Leider kennt auch Hermann kein Geheimrezept, um in der Höhe besser bestehen zu können. Das sei sehr individuell, sagt er.

Fragt sich, ob ich überhaupt eine konkrete Zielzeit anpeilen oder mich nur auf das großzügige Zeitlimit von 8,5 Stunden vertrauen soll.

Hermann Achmüller rät, ich solle 80 bis 100 Minuten mehr einplanen als im im Flachen. Das wären also fast sechs Stunden. Das entspräche ungefähr der Zeit, die mein Vereinskollege Stefan bei der Erstauflage des Marathons gelaufen ist. „Die letzten sieben Kilometer auf der Straße war das kein Laufen mehr, eher schnelleres Gehen“, sagt er. Das sei aber bei allen Läufern in seiner Umgebung so gewesen.

Bei mir wird es ähnlich sein, schätze ich.

Meine Nervosität wächst jedenfalls. Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf – vor allem bezüglich Gelände, Wetter und damit zusammenhängend Kleidung.

Stilfser Joch unter einer dicken Schneedecke

Hermann und Stefan erzählen vom herrlichen, trockenen Wetter bei der Erstauflage. Aber das muss ja nicht sein, noch ist der Hang, den sich das Joch empor schlängelt, in eine fette Schneedecke gehüllt.

„Habe letztes Jahr normale Marathonschuhe angehabt, in denen ich zuvor auch den Mailand-Marathon gelaufen bin“, sagt Peter vom Veranstaltungs-Team. „Ging tip-top, da die Verhältnisse sehr trocken waren. Bei nassen Verhältnissen würde ich schon auf ein stärkeres Profil zurückgreifen, wobei ich einen reinen Trail-Schuh als zu ungeeignet für die ersten 16 und letzten sieben km finden würde.“, so Peter weiter.

Ich teste momentan den Saucony Xodus auf seine Asphalttauglichkeit und finde den bislang sehr gut. Bei der Ruhrklippe hatte ich jedenfalls überhaupt keine Probleme und fand den Schuh angenehm leicht. Beim letzten Lauf habe ich den Asics Nimbus getestet – auch nicht schlecht.

Klamotten für jede Witterung einpacken

Bleibt die Frage nach der Witterung, die im Gebirge ja schnell umschlagen kann. Und in der Höhe kann es ohnehin sehr kalt werden. Peter dazu: „Auf alle Fälle alle Varianten einpacken… wer weiß, vielleicht dürfen wir auch durch das eine oder andere Schneefeld laufen.“ Hat der wirklich „dürfen“ gesagt? Ich muss jetzt nicht dringend…

Den vielleicht wertvollsten Tipp gibt Stefan mir noch mit auf den Weg: „Ich bin immer auf Zeiten gelaufen, hier wusste ich spätestens bei Kilometer 25, dass hier andere Regeln gelten. Ab und an mal durchschnaufen und die Landschaft anschauen und dankbar sein, dass man so einen ‚Lauf-Blödsinn‘ machen darf.“

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