Stars hautnah bei den Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Dortmund

Versprechen sollten gehalten werden, heißt es. So standen bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten nicht nur die Sportler auf dem Prüfstand, sondern auch der Sport-Standort Dortmund. Am Ende waren wohl alle von allem überzeugt: Der DLV und die Athleten vom Dortmunder Publikum und die Dortmunder von den Athleten. Denn die zeigten sich von ihrer besten Seite und machten Werbung für ihren Sport.

Dortmund kann Leichtathletik! Zu dem Schluss sind nach den zweitägigen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in der Helmut-Körnig-Halle wohl alle Beteiligten gekommen.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), die Athleten, die Fans und natürlich auch unser Oberbürgermeister Ullrich Sierau, für den Dortmund ohnehin die sportaffinste Stadt der Welt ist.

Hallenmeisterschaften sollen regelmäßig nach Dortmund kommen

Nach den Meisterschaften berichtete Sierau denn auch, er sei mit dem DLV übereingekommen, dass zukünftig die Hallen-Meisterschaften im jährlichen Wechsel mal in Dortmund und mal in Leipzig stattfinden könnten. Zuvor wird die Helmut-Körnig-Halle aber noch kräftig umgebaut, das ist hier ja auch bereits thematisiert worden.

Unfortunately I didn’t make the team for the World indoor Championships in Birmingham. I placed second with a time of 8:54,08min in the 3000m yesterday at our national indoor championships and am quite satisfied with the little progress I made the past two weeks. Anyway I missed my little goal to get a sub 8:50 time :) Buuuuut my indoor season isn’t over. I‘ll be racing two more 1500s this week and I’m super excited, cause honestly I prefere the shorter event ☺ Thank you Dortmund for two thrilling ceremony’s on Saturday. It was a blast. Congratulation to @kklosterhalfen for an outstanding 3000m NR and also to @cathgranz who raced a new PB and her first sub 9min time! The atmosphere was great and I enjoyed every minute in front of that amazing crowd 🙌🏼 #DHM2018 #raceweek #competition #runner #running #nike © @larasch.de

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Die Stimmung an beiden DM-Tagen war nach meinem Dafürhalten grandios gut. Alle Athleten wurden nach Kräften unterstützt und auch ohne die wohldosierten Ansagen der beiden wirklich guten Hallensprecher, wusste das Publikum, wer wann wo besondere Unterstützung benötigte. Es ist ja nicht immer leicht, einer Leichtathletik-Veranstaltung zu folgen, wenn drei Wettbewerbe parallel laufen und Weitsprung, Hochsprung und diverse Läufe um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen.

Doch selbst eine eher unspektakuläre Disziplin wie das Kugelstoßen wurde mit Begeisterung aufgenommen, was sicherlich auch an der starken Leistung des Weltstars David Storl lag.

Kontakte zu Athleten knüpfen, Fotos machen, Sport genießen

Für mich boten die Meisterschaften eine tolle Möglichkeit, noch mehr Leichtathleten kennenzulernen, tiefer in diesen fantastischen Sport einzutauchen und reichlich Fotos zu machen. Diese persönlichen Kontakte sind es, die Leichtathletik, für mich zumindest, so erlebbar machen.

Patricia de Graat (hier beim Hallen-Meeting) konnte wegen eines Infekts nicht im Finale starten.
Patricia de Graat (hier beim Hallen-Meeting) konnte wegen eines Infekts nicht im Finale starten.

Wenn man mal mit einer Sportlerin gesprochen hat und dann mitbekommt, wie eben diese Sprinterin von ihrem Trainer getröstet wird, weil eine kleine Verletzung den Start bei einem Meisterschaftsrennen zunichte gemacht hat, hat das eine andere Qualität als wenn man die Leute nur aus dem Fernsehen kennt.

Ganz besonders leid tut es mir aber für Patricia de Graat von der LG Olympia Dortmund, die sich so auf den Endlauf über 1500 Meter gefreut hatte und schließlich vom DLV-Arzt den Wink bekommen hatte, wegen eines blöden Infekts besser nicht an den Start zu gehen. Aus der Traum vom großen Finale vor großer Kulisse in der heimischen Halle.

So menschelt der Sport so vor sich hin. Natürlich fiebere ich zum Beispiel mit einem Maurice Huke anders mit als mit anderen Läufern, weil wir eine gemeinsame Bekannte haben.

Sprint-Wettbewerbe waren die Höhepunkte des ersten Tags

Am ersten Tag sorgten die Sprinterinnen und Sprinter für den erhofften Budenzauber und entfachten einen Begeisterungssturm nach dem anderen. Sprint ist für mich als Langstreckler eine faszinierende Welt, weil es immer wieder verblüffend ist, dass Menschen so viel trainieren, um dann nur so kurz zu rennen.

Doch auf den Sprintstrecken sind die großen Stars zu Hause. Gina Lückenkemper konnte leider nicht – ISG entzündet. Doch Rebekka Haase, Tatjana Pinto und Lisa Mayer sollten an den Start gehen. Leider spürte auch Lisa noch vor dem ersten Start ein Zwicken und ließ das Hallenrennen notgedrungen und zugunsten der Freiluft-Saison sausen. Was Tatjana Pinto dann aber über die 60 Meter bot, war eine Klasse für sich. In 7,06 Sekunden rannte sie ins Ziel, so schnell war zuletzt Katrin Krabbe.

Das Frauen-Rennen über 60 Meter Hürden war ein spannender Zweikampf zwischen Pamela Dutkiewicz und Cindy Roleder, den die Sächsin knapp für sich entscheiden konnte. Aus Ruhrgebietssicht ein bisschen schade, hätte der Großteil des Publikums doch der Wattenscheiderin den Titel gegönnt, die in letzter Zeit ohnehin Unmengen an Sympathiepunkten sammelt.

Aber ein großer Pluspunkt der Leichtathletik ist ja, dass das Publikum in der Lage ist, persönliche Leistungen wertzuschätzen, ohne Rücksicht auf Vereinszugehörigkeit zu nehmen. Eine gute Leistung ist eine gute Leistung ist eine gute Leistung.

Skandal! Kind buht Schalker aus! 🙂

So kann es sich sogar ein Vertreter eines komischen Gelsenkirchener Vorortvereins erlauben, in Dortmund zu starten, ohne aus der Halle gepfiffen zu werden. Nur ein achtjähriges Mädchen soll seinem Vater stolz berichtet haben, „Buuuuh!“ gerufen zu haben, als 1500-Meter-Läufer Toni Riediger nach seinem Rennen an ihr vorbeigegangen sei. 🙂 Die Erklärungsversuche des Vaters, dass das bei der Leichtathletik anders sei, sorgten für Verwirrung.

Sportlicher und emotionaler Höhepunkt der zweitägigen Meisterschaften war der von offenbar sehr weisen oder mit einem glücklichen Händchen ausgestatteten Menschen ans Ende der Veranstaltung gelegte 3000-Meter-Lauf der Frauen. 3000 Meter — auf dem Papier liest sich das nach öder Rundenzählerei, erst recht auf einer 200-Meter-Bahn.

Hochklassiges Rennen von Konstanze Klosterhalfen, erstklassige Stimmung

Aber die Namen! Konstanze Klosterhalfen. Gesa Felicitas Krause. Alina Reh. Besser geht‘s nicht. Und dann auch noch ein Rennverlauf wie aus dem Bilderbuch. Sah es zunächst noch nach einem Zweikampf zwischen Klosterhalfen und Krause aus, brachte die Leverkusenerin mit ihren langen Schritten immer mehr Meter zwischen sich und die Verfolgerin aus Trier. Sehr zu Freude des kreischenden „Leeeeeverkusääääääner“ Mädelsblocks hinter mir, der bei jeder Runde meine Ohren malträtierte.

Konstanze Klosterhalfen lässt sich für ihren DM-Titel und den neuen deutschen Rekord über 3000 Meter feiern.
Konstanze Klosterhalfen lässt sich für ihren DM-Titel und den neuen deutschen Rekord über 3000 Meter feiern.

Als sich andeutete, dass Klosterhalfen nicht nur dem Titel, sondern einem neuen deutschen Hallenrekord entgegeneilte, stand die komplette Halle und feuerte frenetisch an. Und tatsächlich: Klosterhalfens Beine und unsere Hände und Stimmbänder schafften es, den 30 Jahre alten Rekord zu pulverisieren! 8:36:01 brauchte Koko für die 3000 Meter. Eine Zeit, bei der Hobbyläufer kräftig schlucken müssen. Zur Belohnung gab es zusätzlich zur Medaille noch ein Geburtstagsständchen.

Drama, Baby! Staffeln zeigen, was Sport ausmacht

Mein persönlicher Höhepunkt bei Leichtathletik-Meisterschaften sind die Staffel-Wettbewerbe. Die Macher von Zeitplänen scheinen das ähnlich zu sehen und setzen diese dramatischen Rennen in der Regel ganz ans Ende. So auch in Dortmund. 4×200 Meter der Frauen und Männer, am Start haushohe Favoriten und krasse Außenseiter — programmiertes Drama.

Und was macht das Publikum? Es geht! Okay, um 18 Uhr spielte Borussia, da wollte vermutlich so mancher auf der heimischen Couch sitzen. Aber trotzdem: Meisterschaft ist nur einmal im Jahr, da kann Borussia auch mal warten.

Torben Junker (Mitte) gewann Silber über 400 Meter. Die einzige Medaille für die LG Olympia Dortmund.
Torben Junker (Mitte) gewann Silber über 400 Meter. Die einzige Medaille für die LG Olympia Dortmund.

Wer in der Halle blieb, durfte zudem ein Staffel-Spektakel wie aus dem Lehrbuch erleben, mit Dramen, glücklichen Siegern und unglücklichen Verlierern.

Bei den Damen zeigten die Wattenscheiderinnen, wie spannend ein Staffellauf sein kann. Lag das Quartett nach der ersten Runde noch weit zurück, holte Pamela Dutkiewicz nicht nur auf, sondern lief einen veritablen Vorsprung heraus, Monika Zapalska hielt ihn, Maike Schachtschneider baute ihn noch aus und rettete den vier Mädels den Titel.

Noch mehr Drama, Baby! Wattenscheid treibt’s auf die Spitze

So spannend die Entscheidung bei den Frauen war, so dramatisch war der zweite Lauf der Männer-Staffeln. Es sollte auf ein Duell zwischen Leverkusen und Wattenscheid hinauslaufen mit den Staffeln der LG Kindelsberg Kreuztal und des VfL Eintracht Hannover als Staffage. Das „Leeeeeverkusääääään“-Gekreische hinter mir war wieder unerträglich nervig, als es passierte: Wechselfehler der Leverkusener — Bahn frei für Wattenscheid.

Julian Reus (li.) holte sich den Titel über 60 Meter. Ich holte mir ein Andenken.
Julian Reus (li.) holte sich den Titel über 60 Meter. Ich holte mir ein Andenken.

Mir entfuhr gerade ein kleines, leises, hämisches „Leeeeverkuuuuuusäääään!“, als die Wattenscheider Jungs den Stunt vollbrachten, den letzten Wechsel komplett zu verpatzen. Plötzlich stürmten die Jungs aus Kreuztal der Bronze-Medaille entgegen!

Großes Drama, großer Sport. Und bis auf das klitzekleine bisschen Häme gegenüber dem kreischenden Leverkusen-Block weit weg von Vereinsmeierei.

Sportler für ihre Leistung würdigen tut mal ganz gut

Für einen Fußball-Fan wie mich ist es eine wohltuende Abwechslung, Sportler mal „nur“ als Sportler zu sehen, statt sie mit irgendwelchen weltanschaulichen Dingen im ewigen Kampf von Gut gegen Böse zu beladen. Es ist genial, sich mit ihnen zu freuen oder zu leiden. Das ist vielleicht auch der Vorteil von Sportarten, bei denen Leistung objektiv messbar ist. Da feuern sich die Konkurrenten bei den technischen Disziplinen gegenseitig an, weil es nicht um Taktik geht, sondern darum, die persönlich optimale Leistung zu zeigen.

Marie Laurence Jungfleisch nahm sich Zeit für kleine und großen Autogrammjäger.
Marie Laurence Jungfleisch nahm sich Zeit für kleine und großen Autogrammjäger.

Klar, es gibt Vereine, die einem vielleicht etwas mehr ans Herz wachsen. So liegen mir die Jungs und Mädels der LG Olympia Dortmund näher als die der LG Stadtwerke München. Das hindert mich aber nicht daran, mich mit der Münchnerin Christina Hering über ihren DM-Titel über die 800 Meter zu freuen. Außerdem: Wer kurz nach einem Rennen eine Currywurst isst, muss einfach ein sehr sympathischer Mensch sein. 🙂

Purer Sport und echte Nähe zu den Stars

Leichtathletik ist purer Sport. Und Nähe. Wo hat man schon die Gelegenheit, Stars so nahe zu kommen wie bei Hallenmeisterschaften? Und wo nehmen sich eben diese Stars auch noch die nötige Zeit, um alle Autogramm- und Selfiewünsche (ja, ich gestehe: auch von mir) zu erfüllen? Eben. Es ist halt schon sehr hilfreich, wenn Sportlern nicht der Arsch nachgetragen wird, sondern Athletinnen und Athleten wissen, was ein normales Leben ist.

Und ein bisschen schaue ich als Hobby-Sportler ja auch immer, ob ich irgendetwas von den Großen lernen kann. Die Antwort: Nein, die sind so gut, da gibt es nix zu lernen für mich alten Sack.

Dortmund hält sein Versprechen

Die Sportstadt Dortmund hat die zwei Tage voller hochklassigen Leistungen genutzt, um sich für weitere Veranstaltungen dieser Güte zu empfehlen. Wenn 2020 der Umbau der Helmut-Körnig-Halle abgeschlossen sein wird, wird Dortmund zu den beiden Top-Adressen für Hallen-Leichtathletik in Deutschland gehören und hoffentlich regelmäßig Gastgeber für Deutschlands Elite-Athleten sein.

Was dann noch fehlte, wäre ein entsprechend hochkarätig besetztes Freiluft-Meeting in der Roten Erde — unwahrscheinlich, aber man wird ja wohl mal träumen dürfen…

Mehr Videos von den Hallenmeisterschaften gibt es beim DLV…

4 Antworten auf „Stars hautnah bei den Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Dortmund“

  1. Sehr schön geschrieben, Stefan!
    Als alter (ja, auch in Lebensjahren) Anhänger der Leichtathletik erinnere ich mich auch noch gerne an die großen Meetings in der Roten Erde! Ich träume mit Dir. Vielleicht erkennen Sponsoren, das man auch mit Werbung bei den Zuschauern der Leichtathletik Geld verdienen kann. Das ist zwar nicht so leicht wie beim Fussball, aber es ist mal eine Herausforderung!

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