Wenn nichts läuft, läuft zumindest die Reiseplanung

Fersensporn hin, Achillessehne her: Ich will wieder laufen. Einen Ultra. Natürlich weit weg. Irgendwann im Herbst hatte mich das Reisefieber gepackt, und schwupps, habe ich mich für einen Lauf angemeldet. Diesmal nicht in den USA.

Nach meiner tollen Reise nach Moab im Januar 2025 stand für ich eigentlich fest, dass die nächste Lauf-Fernreise wieder in die USA führen würde. Zwischen Yosemite und Moab gibt es noch zu viele Orte, die von mir bewandert und erlaufen werden wollen.

Eigentlich.

Kein Bock auf Trump und Faschismus

Dann kam Trump. Und mit ihm eine Form von politischer Verrohung, die mir jede Lust auf Abenteuer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gründlich verhagelt hat. Nennt es Boykott, nennt es Trotz, nennt es Moral. Für mich war klar: Ich will da nicht hin.

Stattdessen fiel mein Blick auf den nördlichen Nachbarn. Kanada also. Aber bitte nicht die Rockies. Die habe ich schon zweimal gesehen, als sie noch nicht Instagram-Hintergrund für jeden zweiten Outdoor-Influencer waren. Großartig, ja. Aber auch erledigt. Nee, ich hatte Lust auf Québec. Meine Frau und die Kinder glücklicherweise auch.

Wale, Wälder, Weite

In Québec warten zwar keine epischen Canyons und auch nicht meine geliebten Wüstenlandschaften. Dafür viele Wälder, Seen, Flüsse, Wale, Bären, Elche – und Poutine.

Das Ziel war klar. Aber welcher Lauf darf’s denn bitte sein? Der Zufall wollte es, dass ich ab und zu mit einer Ultra-Läuferin aus Québec auf Instagram schreibe. Passend zu ihrem Vornamen, hat Marie geholfen. Ich hatte zuvor bereits die Ultra-Serie Ultra Trail Harricana du Canada entdeckt und konnte mich nicht entscheiden. Am stärksten hatte ich mit dem 65er geliebäugelt. Und Marie schrieb mir, das sein ein wunderschöner Lauf, den sie auch bereits mehrmals gelaufen sei. Check!

Der Kurs: Wälder, Flüsse, Berge

Die Strecke hat es in sich. Wer Berichte liest, merkt schnell: Das ist kein Wohlfühltrail. Das ist Arbeit. Lange Anstiege, schmale Pfade, Konzentration bis zum Schluss. Und genau deshalb reizt es mich. Dichte Wälder wechseln mit offenen Passagen, kurze, fiese Rampen mit scheinbar endlosen, rollenden Abschnitten. Ein Lauf, der dich langsam mürbe macht, mental wie körperlich.

Zwar beträgt die offizielle Distanz nur gut 63 Kilometer, dafür aber 1900 Höhenmeter bergauf und 1750 Meter bergab. Genug Zeit für Fotopausen – hier ein Bericht einer Amerikanerin.

Wobei, das mit den Fotopausen ist ja so eine Sache. Wenn man im Wald läuft, sieht es überall auf der Welt ein bisschen aus wie am Rothaarsteig. Ich weiß gar nicht, wie fotogen der Kurs wirklich ist. Der Unterschied liegt in den Details: größere Lichtungen, mehr Weite zwischen den Bäumen. Und statt eingezäunter Wisente in Wittgenstein eben die realistische Chance auf freilaufende Elche und Bären.

Will man das?

Ich weiß es nicht. Aber es ist zumindest spannender als ein Wildgehege.

Von Montréal nach Tadoussac – und weiter

Der grobe Plan steht. Flug nach Montréal, dort ein paar Tage Stadt, Cafés, Poutine. Die Beine nicht überanstrengen. Dann der Roadtrip zum Saguenay Nationalpark mit der Hoffnung auf Belugawale.

Dan geht’s nach Charlevoix und zu einem Campingplatz mit Shuttle zum Start – vorausgesetzt, die Reservierung funktioniert. Es folgt der Ultra im Parc des Hautes Gorges.

Erst Lauf, dann Urlaub

Dann kommen die Highlights. Tadoussac, die Route des Baleines. Heißt: Dutzende Möglichkeiten zum Whale Watching per Zodiac oder mit dem Kajak auf dem St. Lorenz Strom. Die Landschaft ist pittoresk: Fluss rechts, Wälder links, dazwischen immer wieder Dörfer, in denen die Zeit langsamer zu vergehen scheint.

Danach geht es weiter Richtung Gaspésie. Nationalparks, einsame Straßen, Wanderwege, Leuchttürme, Wale, Bären, Elche.

Das Kreuz mit dem Fersensporn

Alles perfekt also? Geht so. Der Fersensporn muss weg. Es sind jetzt noch genau acht Monate bis zum HTC 65. Das reicht unter normalen Umständen locker, um fit für 63 Kilometer und 1900 Höhenmeter zu werden. Aber die Schmerzen müssen halt weg, sonst bringt es nix.

Ich hoffe, dass ich das richtige Schuhwerk finde. Beim Behind the Rocks Ultra hatte ich die Nevos Elements von True Motion. True Motion tut mir momentan auch im Alltag gut – sehr Fersensporn-tauglich. Für den Ultra möchte ich auf jeden Fall Schuhe mit hohem Flauschfaktor.

Der Punkt ist: Es läuft etwas. Die Idee. Die Route. Die Vorfreude. Und bald hoffentlich auch wieder die Beine. Québec ist kein Ersatz für Utah. Es ist etwas Eigenes. Grüner, französischer, rauer.

Die Vorfreude ist auf jeden Fall groß.

2 Antworten auf „Wenn nichts läuft, läuft zumindest die Reiseplanung“

    1. Drum schrob ich ja: „Wenn man im Wald läuft, sieht es überall auf der Welt ein bisschen aus wie am Rothaarsteig.“

      Das Highlight der Reise wird weniger der Lauf sein, sondern danach die Fahrt am St. Lorenz entlang und um die Gaspésie. Das haste in Ostfriesland eher nicht.

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