Blut, Schweiß und Training: Können Läufer stören?

Ach, ist das herrlich! Du spazierst gemütlich durch einen Park, genießt die Ruhe, schleckst ein Eis – das Leben ist schön. Plötzlich kommt dir eine laut keuchende Gestalt mit gequältem Gesichtsausdruck und sehr ungesunder Körperhaltung entgegen: ein Läufer. Schön ist das nicht. Und dann wird dir klar, dass Läufer für die Mitwelt nicht immer ein angenehmer Anblick sind und manchmal sogar ganz schön nerven können.

Intervalltraining im Park

Gerade war ich – mal wieder – in Paris. Diesmal aber nicht zum Laufen, sondern um noch das eine oder andere Eckchen zu erkunden, das ich noch nicht kannte.

Da der Trainingsplan für den „DO it fast“-Run aber eine Intervall-Einheit vorsah, nutzte ich die Gelegenheit, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und die Intervalle in einem Park abzureißen, den ich ohnehin ausführlich erkunden wollte. Dieser Park verfügt über einen Teich, der für Intervalle nahezu perfekte Bedingungen bietet.

Läufer, Trainer, Spaziergänger im Park

Im Parc des Buttes-Chaumant waren am Intervall-Tag viele, viele Läufer und andere Sportler unterwegs. Asiaten übten sich im Schattenboxen, ein Trainer quälte seinen Schützling mit hartem Core-Workout. Mittendrin reichlich Menschen, die einen entspannten Spaziergang machten.

Irgendwie hatte ich Mitleid mit ihnen. Ich stelle mir das echt nicht angenehm vor, beim Relaxen ständig mit Menschen konfrontiert zu werden, die gerade ballern, keuchen, schwitzen. Das hat auch damit zu tun, dass ich durchaus weiß, dass zwischen meinem Selbstbild und meinem tatsächlichen Erscheinungsbild ein gewaltiger Unterschied besteht.

Die meisten Läufer sehen nicht so aus, als hätten sie Spaß

Ihr müsst zugeben, dass die meisten Läufer nicht unbedingt so aussehen, als hätten sie Spaß an dem, was sie da gerade treiben. Leidende Gesichter, Mädels mit x-beinig zu den Seiten wegfliegenden Unterschenkeln, Jungs mit Bleigewichten in den Schuhen… Olympiasieger sehen anders aus.

Ich weiß, auch ich höre in meinem inneren Ohr immer eine besonders heroische Version von „Chariots of fire“, wenn ich laufe. Um den Eindruck nicht zu zerstören, vermeide ich es, in spiegelnde Oberflächen zu schauen. Aber wenn ich beim Spazierengehen durch den Park schlendere oder um den See flaniere, denke ich allzu oft: „Leute, ihr nervt.“

Das führt dazu, dass ich beim Laufen ab und an darauf achte, wie Spaziergänger mich ansehen. Mitleidig? Neidisch? Voller Achtung? Oder doch eher böse? Die Wahrheit ist vermutlich, dass sich die Meisten gar nicht für mich interessieren. Dennoch: Du kannst ja kaum irgendwo gemütlich spazieren, ohne Läufern zu begegnen. In Paris ist das extrem, weil diese Stadt von Spätläufern bevölkert wird. Du kugelst vollgefressen aus dem Bistro und wirst wie aus dem Nichts von einem Grüppchen Feierabendläufer überholt, die in Paris übrigens genauso rücksichtsvoll sind wie die Autofahrer.

Manchmal stören Läufer das Bild

Ich finde, manchmal stören wir Läufer irgendwie das Bild. Die meisten von uns passen nicht in idyllische Parklandschaften oder an chillige Orte. In Pariser Parks ist beispielsweise das Radfahren verboten. Vermutlich aus Sicherheitsgründen.

Läufer auf einer alten Bahntrasse in Paris.

Aber würden Fahrradfahrer nicht auch den Gesamteindruck stören? Im Dortmunder Rombergpark und im Westfalenpark ist das ja nicht anders. Erholung und Fahrradfahrer – das passt nicht zusammen. Aber passen denn dann Läufer, die sich verschwitzt über die Strecke quälen, an einen Ort, an dem Menschen entspannen sollen und wollen?

Baltrum ist ja auch so ein Ort. Kein Ort der Welt ist so tiefenentspannt wie Baltrum. Und dann hörst du von hinten so ein „Tapptapptapp“, das viel zu schnell für den langsamen Insel-Takt ist. In diesen Momenten erwische ich mich tatsächlich dabei, dass ich denke: „Ey, müssen die jetzt echt hier laufen?“

Laufen ist Entspannung

Das ist schlagartig vorbei, wenn ich von Straßenklamotten in Laufsachen und somit auch in eine andere Rolle wechsele. Dann gibt es nichts Besseres als an einem schönen Ort in Laufschuhen unterwegs zu sein. Ich schaue mir die Gegend und die Leute an und genieße die Zeit. Und dann wird mir klar, dass es keine schönere Art gibt, eine neue Stadt oder eine altbekannte Strecke zu erkunden als in Laufschuhen. Laufen und Entspannung sind keine Gegensätze. Laufen IST Entspannung – und sei die Einheit noch so anstrengend.

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