X-Beine und T-Rex-Haltung: Das Laufen der Anderen

Immer wenn ich einen Läufer sehe, werfe einen kritischen Blick auf den Laufstil. Schließlich will ich ja lernen. Dabei zeigt sich: Die meisten Hobby-Sportler sind weit davon entfernt, sportlich, ökonomisch oder auch nur irgendwie schön zu laufen. Ich auch.

Im ständigen Streben nach läuferischer Perfektion ist es hilfreich, durch Abschauen zu lernen. Schließlich ist man doch so gut wie nie alleine auf der Piste und kann immer einen neugierigen Blick auf den Laufstil anderer Sportler riskieren.

Doch leider sind die meisten Läuferinnen und Läufer keine guten Vorbilder, sondern eher beste Beispiele, wie es nicht geht. Und die, die es wirklich können, laufen für eine gründliche Inaugenscheinnahme zu schnell.

Profis erkennt man sofort am Laufstil

Oft reicht ein flüchtiger Blick, um Profis von Hobby-Athleten zu unterscheiden. Neulich kam mir im Gegenlicht ein Läufer entgegen, bei dem so ziemlich alles stimmte: Körperhaltung, Schrittlänge, Kniehub, Eleganz – alles war gut. „Das muss ein Profi sein“, dachte ich. Und tatsächlich: Der Unbekannte entpuppte sich als Steven Orlowski, Nachwuchs-Talent von der LG Olympia Dortmund. Wir grüßten uns kurz, dann war er weg.

Meistens allerdings bieten läuferische Begegnungen eher Anlass zur Fehleranalyse. „Oh, der schlurft aber“ oder „Mein Gott, was macht die denn mit ihren Armen?!“, denke ich oft, wenn ich einen Blick auf meine Mitläuferschaft riskiere.

Ich meide den Blick in den Spiegel

Das ist gar nicht böse gemeint. Schließlich sitze ich im stilistischen Glashaus. Ich habe mir inzwischen abgewöhnt, beim Laufen in spiegelnde Schaufenster zu schauen. Zu demotivierend ist es, mich da mit durchgestreckten Beinen über die Strecke staksen zu sehen.

Da tut es irgendwie gut, zu sehen, dass andere Läufer es auch nicht besser können, wobei sich Männer von Frauen in einigen Punkten unterscheiden.

Frauen sind oft leichtfüßig unterwegs, aber nicht zwangsläufig mit einem guten Laufstil ausgestattet. Mein Lieblingsstil bei Frauen ist das seitliche Wegwerfen der Unterschenkel. Ich weiß gar nicht, wie das anatomisch funktioniert, aber viele Läuferinnen werfen ihre Unterschenkel x-beinig zur Seite statt nach hinten. Das löst bei mir immer einen leichten Solidaritätsschmerz im Knie aus, scheint aber kein Problem zu sein, denn viele dieser x-beinigen Läuferinnen sind schneller als ich.

Armeinsatz ist bei Männern und Frauen ein Problem

Ein Problem, dass Männer und Frauen gleichermaßen haben, ist der Armeinsatz. Sie erinnern an einen Tyrannosaurus Rex, bei dem die kurzen Ärmchen scheinbar nutzlos an den massigen Körper angetackert sind. Konnte der T-Rex überhaupt rennen?

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Die Antwort gibt es in jedem Park: Er konnte. Denn unzählige Läuferinnen und Läufer haben beim Rennen ihre Arme verkrampft bis fast in die Achselhöhlen hochgezogen und laufen trotzdem in passabler Pace durch die Landschaft.

Ich weiß noch, wie oft ich mich geärgert habe, wenn ich auf Fotos gesehen habe, dass der sportliche Eindruck den ich selbst von meiner Armhaltung hatte, rein gar nichts mit der Realität zu tun hatte. Sobald ich das Tempo verschärft habe, rutschten die Arme nach oben. Das sieht nicht nur doof aus, sondern bremst auch. Das ist auch heute manchmal noch so, und ich muss mich sehr, sehr oft daran erinnern, die Arme länger zu machen und lockerer zu schwingen.

Laufen und sitzen – geht nicht? Geht!

Ein Phänomen, das häufig bei Büromenschen zu beobachten ist, ist das Laufen im sitzen. Das geht nicht? Oh, doch! Wer so wie ich eine schwache Muskulatur im Lendenwirbelbereich hat, neigt dazu, mit steigender Dauer der Belastung in der Körpermitte einzuknicken. Das nimmt scheinbar den Druck von der schwachen Muskulatur, geht in Wahrheit aber tierisch auf die Wirbelsäule.

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Ich bin schon mit Leuten unterwegs gewesen, denen man beim Laufen getrost einen Bürostuhl unter den Hintern hätte schieben können, ohne dass sie ihre Körperhaltung hätten ändern müssen.

Männerproblem: Mit schleppendem Schritt auf der Strecke

Man sieht sie überall, wo gelaufen wird: Männer, die mit schwerem Schritt einen Fuß vor den anderen setzen. Dieser Schleppschritt ist ein eher männliches Phänomen. Es wirkt immer so, als trügen meine Geschlechtsgenossen einen imaginären Bierkasten auf dem leicht gekrümmten Rücken. Jeder Schritt sieht nach harter Arbeit aus, von einer Flugphase (nicht dass ich die wirklich hätte!) sind sie weit entfernt.

Und trotzdem laufen sie.

Denn das ist der Reiz des Laufens: Jeder kann sofort damit anfangen. Klar, wir Hobby-Läufer machen Fehler und könnten viel schneller und vor allem ökonomischer laufen, wenn wir uns professionelle Hilfe holen würden. Im Grunde reicht es ja schon, sich im Internet oder durch Laufbücher zu informieren und dann gezielt am eigenen Stil zu arbeiten.

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Aber auch wer das nicht möchte, kann laufen. Während beim Fußball Tore und beim Tennis Punkte das Ziel sind, ist es beim Laufen der Weg. Du rennst los, du bist unterwegs, du kommst nach Hause. In deinem Tempo, mit deinem Stil.

Und das ist auch gut so.

2 Antworten auf „X-Beine und T-Rex-Haltung: Das Laufen der Anderen“

  1. Der Ursprung des schlechten Laufstils ist meist einem schlechtem Allgemeinzustand des Körpers geschuldet. Gerade das Einknicken oder Ausweichen der Hüfte rührt von mangelnder Körperspannung, bedingt durch schlechte Rumpfmuskulatur.

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