O du Feucht-Fröhliche — Friede, Freude, Eierpunsch

Ach, Weihnachtszeit!

Unaufhaltsam rückt der kürzeste Tag des Jahres näher. Um etwas Licht in diese dunkle Jahreszeit zu bekommen, sorgen Weihnachtsfeiern für eine gewisse Form der inneren Erhellung. Nicht umsonst sagt man auch, ein Betrunkener habe „die Lampe an“.

Doch an diesem Wettkampf-Wochenende habe ich noch etwas gelernt. 1. Eierpunsch ist weniger leistungsfördernd als Rührei. 2. Ein nach hinten blickender Konkurrent kann ganz schön motivierend sein.

Weihnachtsfeier mit dem Lauftreff

Auch bei meinem Laufverein LT Bittermark sorgen fleißige Geister für die richtige Innenbeleuchtung und organisieren mit Herzblut die Weihnachtsfeier. Die fand in diesem Jahr an einem Freitag statt, für gut-bürgerliches Essen war gesorgt, ebenso für leckeres Hövels, mein Lieblingsbier. Auch das noch! Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich noch ein Ründchen laufen, bevor es ins Stadion gehen sollte. Und Stadion bedeutet: schon wieder Bier.

“Eier. Wir brauchen Eier“ (Oliver Kahn)

Der Lauf am Samstagmorgen wurde gestrichen und durch spontanes Schneemannbauen ersetzt. Auch anstrengend. Und dann kam von der Lieblingstrainingspartnerin auch noch die Frage, ob wir am Samstagabend auf den Weihnachtsmarkt gehen wollen. „Sonntag ist Wettkampf“, whatsappte ich grummelnd, wobei ich schon wusste, dass ich ohnehin kommen würde.

Bier!

Fassen wir Freitag und Samstag also in einem Wort zusammen: Bier. Ach, und Eierpunsch! Denn auf dem Weihnachtsmarkt verzichtete ich auf klebrigen Glühwein, lieber konsumierte ich sportlergerechten Eierpunsch. Da ist ja Ei drin, also bestimmt auch Eiweiß, und davon kann man ja nie genug bekommen.

“Punsch! Das ist Punsch! Du dusselige Kuh!“ (Alfred Tetzlaff)

Nach dem dritten Punsch schwante mir, dass der für Sonntag geplante Nikolauslauf in Hamm möglicherweise ohne mich stattfinden müssen könnte. Aber es war gerade so lustig und gemütlich, und der Grillschinken musste ja auch noch begleitet werden. Vierter Eierpunsch — das Zeug wird einfach nicht schäbbig. Auch die fünfte Tasse schmeckte, war aber zum Glück die letzte. Ab nach Hause, schlafen, vom Wettkampf träumen.

Auf zum Nikolauslauf

Geschafft! Als um 8 Uhr der Wecker klingelte dachte ich tatsächlich nur kurz daran, nicht zum Nikolauslauf nach Hamm zu fahren. Trotz des dröhnenden Schädels. Der Schöpfer des Spruchs „Lebe den Moment“ war sicherlich kein Hobbysportler.

„Willst du denn jetzt zu dem Lauf?“, hörte ich die Gattin neben mir fragen. „Natürlich!“, antwortete ich, war selber etwas überrascht und fragte mich sogleich, ob ich ausnahmsweise doch mal eine Ibuprofen nehmen sollte. Ach, muss auch so gehen. Frühstücken, Sporttasche packen, nach Hamm fahren.

Relive ‚Nikolauslauf, Hamm‘

Der Nikolauslauf in Hamm ist eine dieser putzigen Laufveranstaltungen, bei denen das Herz aufgeht. Liebevoll organisiert, rundherum ehrenamtlich, ohne irgendwelches Brimborium, dafür mit leckerer Bratwurst. 178 Teilnehmer(innen) beim 10-km-Lauf bildeten ein überschaubares Teilnehmerfeld.

Der Eierpunsch fordert Tribut

Vom Start weg fühlte ich mich gut, auch wenn ich merkte, dass Eierpunsch 3, 4 und 5 ihren Tribut einforderten. Im Nachhinein ärgerlich, weil sich der Kurs als absolut bestzeittauglich entpuppte und die äußeren Bedingungen bis auf den stellenweise etwas seifigen Boden hervorragend waren. Aber an eine Bestzeit war nicht zu denken. So lief ich jeden Kilometer etwa zehn bis 15 Sekunden langsamer als erforderlich gewesen wäre. Als mir die Spitzenläufer  entgegenkamen, sah ich, dass Michi Wilms von der LGO Dortmund hauchdünn führte. Ich klatschte kurz zur Anfeuerung. Später in der Umkleide erzählte er von Seitenstechen und Platz Zwei — Glückwunsch!

Ungefähr 800 Meter vor dem Ziel keimte sogar noch einmal Ehrgeiz in mir auf. Ich war eigentlich im läuferischen Niemandsland unterwegs — kein Läufer unmittelbar im Nacken, und der Konkurrent vor mir schien außerhalb meiner Reichweite.

Kurz vor Schluss noch überholt

Schien er aber auch nur. Denn plötzlich drehte er sich um. „Schwächelt da etwa jemand?“, dachte ich, und urplötzlich wurde ich schneller und schneller. Und tatsächlich! Mit jedem Schritt, den ich schneller wurde, wurde der Typ langsamer — und just in dem Moment, als ich an meinem Anhang vorbeilief, überholte ich und zog davon.

Nach 50:38 Minuten erreichte ich das Ziel. Ein bisschen verärgert, weil ich eigentlich gehofft hatte, dass Zeiten über 50 Minuten passé wären.

Aber fünf Eierpunsch waren dann vielleicht doch zu viel, äh, Eiweiß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.