Warum es (kein) Schwachsinn ist, beim Marathon ein Kostüm zu tragen

Bei jedem Marathon sind sie dabei: Paradiesvögel im Kostüm mit bunter Perücke, Supermann-Umhang, Federschmuck oder irgendwelchen Fantasie-Kostümen. Immer wenn ich einen dieser Läufer sehe, stelle ich mir eine Frage: Warum?

Beim Köln-Marathon sind mir zwei Exemplare der Gattung „Kostümläufer“ besonders negativ aufgefallen: Ganz zu Beginn, noch auf der Deutzer Brücke, drängelte sich jemand mit – ich glaube – rosa Tütü und blonder Perücke in wilden Schlangenlinien und ohne Rücksicht auf andere Läufer durch das Feld und zog einigen Unmut auf sich. „Sollen wir vielleicht von der Strecke gehen, damit du mehr Platz hast?!“, rief ich ihm hinterher und erntete aus meiner Umgebung Zustimmung.

Ganz offensichtlich fand sich hier jemand ganz besonders wichtig und musste das auch aller Welt zeigen. Dass er die Läufer um ihn herum behinderte, störte ihn offenbar nicht.

Mit dem Dreizack in die Eier

Irgendwann später hatte ich einen Teufel vor mir, der in einer Hand einen Dreizack hielt, dessen Ende bei jedem Armschwung in bedrohliche Nähe zu meiner Körpermitte pendelte.

Wie so oft, folgten ein paar Gedanken und Überlegungen, und da ich beim Marathon selten ein Buch mit dabei habe, um die Zeit bis zum Ziel totzuschlagen, suchte ich ein paar Argumente für und wider die Kostümierung beim Laufen.

Kostümläufer werden fotografiert, Sportler nicht

Wer sich nach einem Marathon die Mühe macht, die Fotos auf den Online-Seiten der einschlägigen Lauf-Magazine durchzuklicken, merkt bald: Kostümierung lohnt sich. Je bunter Läufer auftreten, desto häufiger werden die fotografiert. Die Sportler, die sich monatelang zum Marathon gequält haben, sind offenbar zu unspektakulär.

Mit etwas Genugtuung konnte ich im Ziel beim Köln-Marathon beobachten, dass sowohl der Perücken-Drängler von der Deutzer Brücke als auch der Teufel erst lange nach mir ins Ziel kamen.

Respekt für manche bunte Vögel

Natürlich gibt es kostümierte Persönlichkeiten, die mir Respekt abnötigen. Allen voran Feuerwehrleute, die in voller Montur laufen. Das ist allerdings auch kein Kostüm im eigentlichen Sinne. Der Darth Vader mit seinem Baguette-Laserschwert in Paris hatte auch was. Und was wären Marathons ohne den bunten Franzosen Michel Decombes, der mit seiner herzlichen Art eine feste Institution geworden ist und nebenbei auch noch Spenden für gute Zwecke sammelt?

Oder Dr. Joey Krüll, der im Formel-1-Outfit läuft, um seinem Freund Michael Schumacher irgendwie zu helfen, wieder gesund zu werden.

Meine Denkerei führte schließlich so weit, dass ich bei diesem Pro & Contra in der Lage bin, beide Positionen einzunehmen.

2 Antworten auf „Warum es (kein) Schwachsinn ist, beim Marathon ein Kostüm zu tragen“

  1. Das hast Du wie immer sehr gut auf den Punkt gebracht, lieber Stefan! Wobei ich die Erfahrung in meinen 26 Marathons gemacht habe, das meine Gemütsverfassung im Rennen eine Rolle spielt, ob zu Pro oder Contra neige.

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