Wegducken, weggucken: Was hat Corona bloß aus Läufern gemacht?

Ob schnaufen, lächeln, zwinkern, winken oder sprechen: Läufer grüßen sich. Nicht mehr. Seit Corona habe ich das Gefühl, dass die Laufstrecken von muffeligen Ignoranten bevölkert sind. Liegt das an Corona?

Täusche ich mich, oder ist es wirklich so, dass seit die ganze Corona-Chose angefangen hat, Läufer nicht mehr grüßen? Früher, als natürlich alles besser war, haben sich Läufer immer brav gegrüßt. Immer. Überall. Wir sind uns in die Arme gerannt, haben getanzt und uns genossen. Das Leben war schön und unbeschwert.

Läufer sind Brüder und Schwestern im Schweiße

Naja, fast. Aber gegrüßt wurde. Mal mit einem dezenten Schnaufen, einem  Winken, einem Zwinkern. Irgendwie ist es doch immer möglich, einem entgegenkommenden Läufer zu signalisieren, dass man dort einen Bruder oder eine Schwester im Schweiße sieht.

Läufer grüßen sich gegenseitig – eigentlich. Seit Corona gibt es immer mehr Gruß-Muffel.

Doch seit Corona laufen so dermaßen viele verbiesterte Menschen durch Wälder und Parks, dass ich jetzt erst recht grüße. Natürlich mit Abstand.

Ist das Misstrauen oder Unerfahrenheit?

Liegt das daran, dass es seit Corona so viele Neu-Läuferinnen und -Läufer gibt, die gar nicht wissen, dass es beim Laufen zum guten Ton gehört, sich zu grüßen? Oder misstrauen die neuen Freizeitsportler ihren sportlichen Mitmenschen, weil sie hinter jedem entgegenkommenden eine potenzielle Virenschleuder wähnen?

Kommt mir fast so vor Denn abgesehen davon, dass die Nicht-Grüßer nicht grüßen, ärgert mich die Art und Weise, wie sie nicht grüßen: Der Blick ist stur nach vorne gerichtet, und wenn du ihnen entgegenkommst, schauen sie erst recht nicht zu dir rüber, sondern in vielen Fällen sogar weg. Sie wissen also nicht nur nicht, dass man sich grüßt, sie wollen es ganz offensichtlich nicht.

Laufen ist ein geselliger Sport

Dabei ist Laufen so ein geselliger Sport, selbst wenn man alleine unterwegs ist. Daher glaube ich wirklich, dass die Nicht-Grüßer hauptsächlich unter solchen Sportlern zu finden sind, die man vorher nicht unbedingt auf der Strecke angetroffen hat: Lauf-Neulinge und Sportler anderer Sportarten. Als Läufer erkennt man ja andere Läufer. Mangels Trainingsbetrieb wimmelt es momentan allerdings auch beispielsweise vor Fußballern auf den Laufstrecken.

Jedenfalls haben die Neu-Läufer ja mit dem Laufen angefangen, als Individualsport DAS Mittel war, um den heimischen vier Wänden entfliehen zu können. Da wird das Kontaktverbot vielleicht etwas zu ernst genommen und auch auf den Augen- und Winkkontakt ausgeweitet. Die haben halt noch nie die Erfahrung gemacht, dass es eine Lauf-Community gibt.

Fußballer grüßen nicht

Fußballer erkennt man an ihrem Trainingsanzug, am Laufstil und am gegenüber den anderen Läufern viel zu hohen Tempo. Da Fußballer die Lauferei ja hassen, grüßen sie natürlich auch nicht.

Umso schöner ist es, wenn man beim Laufen doch die gewohnten Gruß-Rituale pflegen kann. Mittwochs laufe ich momentan immer am Phoenixsee. Der See ist nicht unbedingt für die Grüßfreudigkeit der dortigen Läuferinnen und Läufer bekannt. Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Im Rombergpark und im Wald wird gegrüßt, am See nicht – außer man kennt sich.

Inzwischen bin ich wohl in der Gruppe der Mittwochs-Läufer am See angekommen. Die Mädels dort haben gemerkt, dass ich nicht beiße, sondern nur freundlich bin. Und auch bei den Jungs ist das Eis inzwischen gebrochen. Zumindest bin ich bei den letzten Malen sehr freundlich hin- und zurückgegrüßt worden. Hurra!

Wie macht man aus Grußmuffeln Grüßer?

Bleibt die Frage, wie man aus notorischen Grußmuffeln echte Läufer Grüßer macht. Vielleicht höhlt ja steter Tropfen den Stein. Einfach immer freundlich sein, lächeln, dezent winken… irgendwann verstehen sie es vielleicht.

Löblich ist ja auf jeden Fall, dass der Corona-Lauftrend doch nachhaltiger zu sein scheint als ich im Frühjahr vermutet habe. Viele Hobbysportler dürften bald ihr Einjähriges als Läufer feiern. Das ist sehr gut und freut mich wirklich. Jetzt müssen wir die Leute nur irgendwie zu sozialen Wesen machen.

5 Antworten auf „Wegducken, weggucken: Was hat Corona bloß aus Läufern gemacht?“

  1. Wir haben ja in Nordhessen generell mit muffligen Menschen zu kämpfen. Komischerweise hat sich das Grußverhalten hier seid Corona komplett ins Positive gewandelt.
    „Hey, wer war das denn?“
    „Wieso?“
    „Na, der hat doch so nett gegrüßt!“
    „Kenn ich nicht.“

  2. Ich glaube nicht, dass es etwas mit Corona zu tun hat. Nichtgrüßer gab es schon immer. Ich hatte einst eine sehr energische dieser Sorte damals an der Eschbachtalsperre. Ich habe es in allen möglichen Sprachen versucht. Nicht aufgeben!

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