Jeder kann Ultra laufen

Ultra-Läufe schrecken ab. Die Entfernung, das Terrain, die Dauer — alles ganz schlimm. Aber stimmt das? Ich bin überzeugt: Wenn ich das kann, kann jeder Ultra laufen. Wenn die Voraussetzungen stimmen.

Jeder kann Ultra! Ganz bestimmt. Glaubst du nicht? Ich schon. Okay, ich schränke ein: Wer mühelos einen Halbmarathon laufen kann und schon einige hinter sich gebracht hat, kann Ultra. Da ich allerdings meine, dass jeder Läufer und jede Läuferin, der oder die zehn Kilometer laufen kann, auch Halbmarathon laufen kann, kann irgendwie doch jeder auch Ultra laufen.

Menschen sind geborene Fußgänger

Beim Antelope Canyon Ultra.

Natürlich nicht jetzt oder morgen oder übermorgen. Aber grundsätzlich. Denn erstens bringt jeder Mensch die genetischen Voraussetzungen mit, lange Strecken zu Fuß zu bewältigen. Ansonsten wären unsere Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ahnen verhungert. Wir können schwitzen und wir können in einer Minute mehr Schritte als Atemzüge machen. Das macht uns zum geborenen Fußgänger.

Aber egal.

Nur acht Kilometer mehr als ein Marathon

Streng genommen ist ein Ultra gar nicht so viel mehr als ein Marathon. Ob du für 42 Kilometer oder für 50 trainierst, spielt eigentlich keine Rolle. Wenn dein längster Lauf in der Marathon-Vorbereitung 35 Kilometer lang ist, hängst du für einen 50er einfach noch fünf dran. Oder drei. Das reicht. Lass dich nicht vom Wort „Ultra“ abschrecken.

Der erste richtige Ultra. Stolz unterm Förderturm der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop.

Doch was habe ich weiter oben behauptet? Wer Halbmarathon laufen kann, kann auch Ultra? Naja, schon. Aber nicht ohne „Aber“. Also: Aber nur, wenn du dich laaaaangsam rantastest. Klassisch wäre der Weg vom Halben über den Ganzen zum Ultra. Gib dir also für den Weg vom Halbmarathoni zum Ultra-Läufer vor allem eines: Zeit.

Erster Ultra als wissenschaftliches Experiment

Meinen ersten Ultra lief ich im Dienste der Wissenschaft. Mein Bekannter Michele Ufer benötigte für seine Forschung eine Horde erprobter Läufer, die bereit waren, auf einem abgesteckten Kurs im Wald in zwölf Stunden so viele Runden wie möglich zu laufen und in regelmäßigen Abständen einen Fragebogen zur eigenen Befindlichkeit auszufüllen.

Ultra im Dienste der Wissenschaft.

Ich hatte an dem Lauf außer Konkurrenz teilgenommen, weil ich darüber berichten wollte. Wir rannten bei Eiseskälte über gefrorenen Boden und durch Schnee durch den Schwerter Wald. Als die Sonne rauskam, wurde der Boden seifig, mit Einbruch der Dämmerung wurde er wieder knüppelhart. Auf dem Rücken sieben Kilo Gewicht!

Mit Schmerzen zum Ultra

Irgendwie hatte ich es tatsächlich geschafft, mehr als 40 Kilometer zusammen, bis ich vor Schmerzen nicht mehr laufen konnte. Später lernte ich, dass meine Fibula blockiert war. Ein widerlicher Schmerz, den ich schon mal bei der Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon hatte. Laufen war jedenfalls nicht. Aber wandern.

Als es wirklich nicht mehr ging, war es bereits stockdunkel. Ich kam zu Start-Ziel, 43 Kilometer auf der Uhr. „Ab 45 Kilometer ist es ein Ultra“, sagte jemand. Okay, Challenge accepted. Aber noch mal in der Wald, in dem ich die Stirnlampen der anderen Läufer durchs Dunkel tanzen sah? Nein! Also, ab auf den Parkplatz und die restlichen zwei Kilometer zusammenwandern. Am Ende hatte ich 45 Kilometer und meinen ersten Ultra!

Wenn ich nach dieser Erfahrung eines wirklich weiß, dann: Jeder kann Ultra laufen.

 

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